Warum wir unsere Passbilder hassen.

Man zeigt im realen Leben immer Emotion und zeigt so, wer man ist. Partymonium Köln, 28.01.2017

Man zeigt im realen Leben immer Emotion und zeigt so, wer man ist. Partymonium Köln, 28.01.2017

Da in Deutschland jeder verpflichtet ist, ein Ausweisdokument zu besitzen, hat praktisch jeder auch ein Passfoto von sich.
Da gibt es diese Momente, grade auf Partys, wenn alle betrunken sind, die Ausweise rumgehen und sich alle darüber streiten, wessen Passfoto das Übelste ist.

Aber warum ist das so?
Warum müssen diese Bilder so bescheuert aussehen?

Die Antwort ist ganz einfach.
Ich könnte die ganzen Punkte natürlich selbst aufzählen.
aber warum sollte ich das machen, wenn das auf Wikipedia bereits jemand getan hat?

Das Passgesetz legt in § 4 Abs. 5 für Reisepässe fest:
„[…] Einzelheiten des Lichtbildes bestimmt der Bundesminister des Innern im Benehmen mit dem Auswärtigen Amt durch Rechtsverordnung […]“.
Passbilder sind 35 mm × 45 mm groß (Hochformat, ohne Rand), wobei die Entfernung des oberen Kopfendes zum Kinn zwischen 32 und 36 mm liegen sollte.
Wegen des häufig nicht eindeutig zu bestimmenden oberen Kopfendes sind Passfotos jedoch erst dann abzulehnen, wenn die Gesichtshöhe 27 mm unterschreitet oder 40 mm überschreitet.
Das Gesicht muss gut ausgeleuchtet sein und vor einem einfarbig hellen Hintergrund fotografiert sein.
Effektbeleuchtung ist nicht gestattet, Schatten auf dem Hintergrund sind nicht zulässig. Reflexionen in einer vorhandenen Brille sind zu vermeiden.
Die Gesichtsfläche darf nicht abgedeckt sein.
Auf dem Lichtbild dürfen keine Uniformteile abgebildet sein.
Ist das Tragen einer Kopfbedeckung vorgeschrieben (z. B. Religionsgemeinschaft, geistlicher Orden), so ist diese Verpflichtung der Passbehörde nachzuweisen.
Trotz Kopfbedeckung muss das Gesicht in vollem Umfang zu erkennen sein.
Zur Unterstützung der automatischen Gesichtserkennung (Biometrie) wird ein neutraler Gesichtsausdruck mit geschlossenem Mund gefordert.
Das Bild muss frontal aufgenommen werden, die Nase muss auf der Mittellinie liegen. Halbprofil ist nicht zulässig. In Deutschland sowie im Ausland (z. B. Großbritannien und Kanada) sind entsprechende Vorschriften bereits in Kraft getreten.
Für Personalausweise müssen seit 1. November 2010 die Passbildarten nach neuer Foto-Mustertafel verwendet werden.
— https://de.wikipedia.org/wiki/Passbild

Das sind eine ganze Menge Vorschriften für ein Foto.
Diese ganzen Regeln haben zur Folge, dass man bei Passfotos keine Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse nehmen kann.
Ein Glas Wasser kann man vielleicht während des Shootings servieren.
Sofern man das auf dem Foto nicht sieht.

Du hast ein hässliches Muttermal auf der Backe?
Einen ungepflegten Bart?
Ein Doppelkinn?
Tja...

Bei einer 'normalen' Portrait oder auch "People"(engl. Leute) Sitzung könnte man da was machen, z.B. eine Gesichtshälfte im Schatten verschwinden lassen, oder den Kopf neigen, oder, oder oder.
Fotos aus Shootings wollen oft auch gar nicht die Person zeigen, wie sie ist, sondern zeigen, wer sie sein will, sein könnte, wie sie sich fühlt oder wovon sie träumt.

Bei Passfotos hilft da nur der Hautarzt, der Rasierer und der Trainer (oder die Fettabsaugung).
Und selbst dann, zeigen diese Fotos noch immer nicht, wer man überhapt wirklich ist, und wie man aussieht.
Diese Bilder sind nämlich emotionslos und ohne Emotionen sind wir nur ein Haufen Fleisch.

Das hat natürlich seinen Sinn.
Bei einer Passkontrolle schaut der Grenzbeamte auf das Foto und dann auf die Person, die vorgibt, Inhaber dieses Passes zu sein:
- Ungepflegter Bart -> Check
- Hässlisches Muttermal -> Check
- Doppelkinn -> Doppelcheck

"Hallo, Herr Lehmann!"

Es handelt sich um einen rein physikalischen Abgleich, deswegen müssen diese Fotos einem Standard folgen - und da kommt eben kaum jemand gut bei weg.Bei einem küntlerischeren Foto, wäre diese Art der Identifikation schon bedeutend schwieriger.
Oder noch besser, wenn man dazu erwähnen muss, dass man die/der mittlere auf dem Gruppenfoto im Perso ist.

Es hat aber auch irgendwie etwas Erfrischendes, dass es Bilder von Menschen gibt, die einem solchen Standard folgen.
Sonst hätte es viele lustige Gespräche auf Parties wohl nie gegeben.

 

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Joachim Lehmann